Hohe Unterkühlung (SC) bei niedriger oder normaler Überhitzung (SH) hat meist eine einfache Ursache: zu viel Kältemittel im System. Der Verflüssiger hält mehr Flüssigkeit zurück, als er sollte – Zeichen dafür, dass keine Kapazität mehr für zusätzliche Kondensation übrig ist.
Der Trugschluss, der hier lauert.
Hohe Unterkühlung kann auch entstehen, wenn der Verflüssiger seine Wärme schlecht abgibt – verschmutzte Lamellen, ein zu langsamer Lüfter, oder Luft-Kurzschluss an einer Wand. In diesem Fall hilft Absaugen nicht, es verschlimmert die Lage sogar. Bevor Kältemittel entfernt wird, muss deshalb feststehen: Ist der Verflüssiger sauber und dreht der Lüfter? Ist beides in Ordnung, ist die Ursache mit hoher Wahrscheinlichkeit tatsächlich Überfüllung.
Fällt die Überhitzung bei fortschreitender Überfüllung weiter, kann flüssiges Kältemittel den Verdichter erreichen – dieselbe physikalische Gefahr, die im Artikel „Flüssigkeitsschlag" dieser Institut-Reihe beschrieben wird, nur von der entgegengesetzten Seite ausgelöst.
Ist der Verflüssiger sauber und der Lüfter dreht normal, liegt die Ursache mit hoher Wahrscheinlichkeit an der Füllmenge, nicht an der Luftseite. In den meisten Fällen wird kein Bauteil getauscht – nur die Menge korrigiert (absaugen + Kältemittelwaage).
Quellen: Allgemeine kältetechnische Diagnosepraxis – das 4-teilige SH/SC-Diagnoseschema, bestätigt durch calcengineer.com. Kein spezifisches Bulletin mit Seitenangabe.
Dieser Artikel ist Teil der Enthalio Institut Fachbibliothek – physikbasiert, quellenbelegt, ohne Spekulation. Kein Ersatz für die fachliche Beurteilung eines vor Ort tätigen, zertifizierten Technikers.