Ein Verdichter ist für Dampf gebaut, nicht für Flüssigkeit. Wenn flüssiges Kältemittel am Verdampferaustritt ankommt statt vollständig verdampftem Sauggas, hat man ein Problem, das sich in kurzer Zeit — bei starker Ausprägung innerhalb weniger Minuten — in einem beschädigten oder zerstörten Verdichter äußern kann.
Das physikalische Signal ist eindeutig: negative Überhitzung.
Überhitzung (SH) ist die Temperaturdifferenz zwischen der gemessenen Sauggastemperatur und der theoretischen Sättigungstemperatur bei gemessenem Sitzdruck. Ist dieser Wert positiv, ist das Gas vollständig verdampft — so soll es sein. Ist er negativ, gibt es dafür nur eine physikalisch mögliche Erklärung: am Verdampferaustritt liegt noch flüssige Phase vor. Es gibt keinen Graubereich, keine „vielleicht noch okay"-Zone. Flüssiges Kältemittel ist inkompressibel — trifft es auf die Verdichterventile, können diese in kurzer Zeit mechanisch beschädigt oder zerstört werden.
1. Direkt: SH < 0. Das ist der eindeutigste und gefährlichste Fall. Keine Messkette-Unsicherheit rechtfertigt hier ein Zuwarten — die erste Reaktion muss die Anlage sein, die sofort abgeschaltet wird.
2. Indirekt: niedrige Überhitzung kombiniert mit kaltem Heißgas. Liegt die Überhitzung unter 3 K und die Heißgastemperatur weniger als 15 K über der Verflüssigungstemperatur, deutet das ebenfalls auf beginnenden Flüssigkeitseintrag hin — der Verdichter komprimiert nicht mehr „trocken" genug, das Heißgas bleibt zu kalt.
Quellen: Sporlan Bulletin 10-9 (2001) — allgemeine Prinzipien zu Überhitzung und Vermeidung von Flüssigkeitsrückfluss (Floodback). Das zusammengesetzte Schwellenwert-Signal (SH < 3 K und ΔT < 15 K) ist eine interne Kalibrierung der Enthalio-Diagnose-Engine, nicht wörtlich aus dieser Quelle zitiert.
Dieser Artikel ist Teil der Enthalio Institut Fachbibliothek — physikbasiert, quellenbelegt, ohne Spekulation. Kein Ersatz für die fachliche Beurteilung eines vor Ort tätigen, zertifizierten Technikers.